|
Spätesten Pfingsten, als unser Diabolo endlich auf dem Trailer steht und mit Spätschichten und sonstigen Klimmzügen doch pünktlich fertig geworden ist, glauben wir dann selbst, was wir bereits seit Wochen verkündet hatten: unseren Urlaub werden wir - zumindest zum Teil auf unserem eigenen Boot verbringen. Für das ursprüngliche Ziel, den Dalsland Kanal, ist die Zeit etwas knapp, so entscheiden wir uns für den Als Sund und ggf. ein Bischen Kleiner Belt, wobei Ausgangspunkt die Flensburger Förde sein soll. Die nachgeschickte Teufelspost vom Herbst bestärkt uns darin, soll doch das Diabolotreffen hier stattfinden. Am 27.Juni um kurz vor 6 Uhr geht´s los. Der LKW-freie Sonntag nicht ´mal am Elbtunnel ist Stau - und die frisch erworbene 100km/h-Zulassung sorgen dafür, daß wir die 750km in knapp 9 Stunden recht entspannt hinter uns bringen. Im Yachthafen Schausende müssen wir dann allerdings feststellen, daß die angegebene Slipbahn nur ein Schienenstrang ist, worauf ein Wagen zum Kran läuft. Also versuchen wir es beim Flensburger Segel Club, der ja für das Treffen angedacht ist. Als der Hafenmeister um 16 Uhr seinen Dienst antritt, ist er anfangs
etwas brummig. Vielleicht, weil er kein besonderes Geschäft
wittert. Später taut er aber zusehends auf und erweist sich als
sehr hilfsbereit. Wir slippen ein, unser Trailer wird in der
Werfthalle klausicher verschlossen und das Auto kann zumindest vorerst
auf dem Clubgelände bleiben. Der Liegeplatz längsseits an
einem Stegausleger ist ideal um das Schiff mit unserem ganzen Krempel
zu beladen. Der Montag beginnt wenig vielversprechend. Regen und böiger Wind. Selbst die Schüler der Hanseatischen Yachtschule machen sich erst spät und sichtbar unlustig in die Förde auf. Wir setzen uns ins Auto und besichtigten erstmal Flensburg. Schließlich haben wir Urlaub und wollen auch noch einige Kleinteile für´s Boot besorgen und etwas basteln. Immerhin sind wir erst zum zweitenmal im Wasser und der Masttrimm und andere Kleinigkeiten lassen noch zu wünschen übrig. Am Dienstag gibt es aber keine Ausreden mehr. Obwohl der Wind recht kräftig bläst und immer wieder einzelne Regenschauer mitbringt, stecken wir gegen Mittag ein Reff ein und damit unsere Nase in die Förde hinaus. Die Geschwindigkeit unter Groß allein ist schon nicht schlecht. Wir rollen trotzdem die Fock aus und testen erstmal, ob wir diese Besegelung auch am Wind tragen können. Am Bodensee hatten wir nur leichten bis keinen Wind und sind unsicher, wie das Boot bei mehr Wind reagieren wird. Um so überraschter sind wir nun, wie steif und vor allem beherrschbar sich unsere ARAWAK auch jetzt noch segelt. Also auf, die Förde entlang! Unser erstes Ziel ist Marina Minde, gut 5 sm entfernt, aber immerhin schon Dänemark. Mit bis zu knapp 7 kn raumschots sind wir aber so schnell dort, daß wir uns entschliessen, noch einen kurzen Schlag um die Holnäs-Nase herum zu probieren, später können wir ja zurückkommen. Der Kurs verläuft zuerst halbwinds und dann macht der Tonnenstricht einen großen Bogen, bis wir schließlich auf der Rückseite von Holnäs aufkreuzen müssen. Dabei gewinnen wir immer mehr Zuversicht in die Sicherheit unseres Bootes. So ändern wir unser Tagesziel zuerst auf Langballigau und, da wir den Schlag Richtung Außenförde gerade eben anliegen können, schließlich auf Sonderburg. Hier laufen wir spätnachmittags in den Yachthafen ein. Naß und müde, aber mächtig stolz, den ersten fremden Hafen auf eigenem Kiel (und was für einem!) erreicht zu haben. Nur die Pölserbude für den Anlege-Hotdog fehlt (später merken wir, daß sie nur geschlossen war). Auch der Mittwoch beginnt mit einem Morgenschauer und deshalb schlafen wir nach dem Seewetterbericht noch ein Stündchen aus. Bis dahin ist die Sonne herausgekommen und beschert uns eine fast traumhafte Durchfahrt durch den Als Sund. Der Wind frischt zwar immer weiter auf, trotzdem halten wir unseren Kurs Richtung Dyvig bei. Zuoft wird diese Bucht als besonders idyllisch angepriesen. Im Als Fjord hängen wir kräftig in den Fußgurten, stecken aber für die letzten Meilen kein Reff. Im Hafen stellen wir später fest, daß es auf 6 Windstärken aufgebriest hat und uns wird doch nachträglich ein Bischen mulmig. Vorher steht aber noch die Einfahr in die Dyvig an. Ein langer Trichter mündet in eine enge, geschlängelte Durchfahrt, die mit einem guten Dutzend Spieren ausgesteckt ist. Hier ist es so schmal, daß ein entgegenkommender Motorkreuzer warten muß, bis wir durch sind. Wenn man drin ist, sieht alles ganz einfach aus. Da man die Durchfahrt aber erst spät erkennen kann, sorgt sie bei Wind und Welle von achtern doch für etwas Aufregung. Gemessen an den Beschreibungen und Empfehlungen in den diversen Führern ist die Dyvig ziemlich enttäuschend. Der große, neu angelegte Yachthafen dominiert die Bucht und es herrscht reichlich Gedränge. Das erwartete Naturerlebnis offenbart sich erst bei unserem Spaziergang über die angrenzenden Hügel. Oberhalb der Einfahrt zur benachbarten Mjels Vig liegen wir an der steil abfallenden Kante im Gras und beobachten die Mittwochabend-Regatta außerhalb der Durchfahrt. Abends sitzen wir im Kro gegenüber dem Yachthafen bei Roedspaette und Peperboef. Gut, aber kein Highlight. Wir sind auch fast die einzigen Gäste. Lange überlegen wir, ob wir morgen in den kleinen Belt weiter möchten oder uns Richtung Augustenborg wenden sollen. Wir entscheiden uns für beides nacheinander. So hole ich am nächsten Morgen am Kiosk die vorbestellten Brötchen
ab und nach dem Frühstück geht´s wieder durch das
Nadelöhr. Diesmal unter Motor, da der Wind immer noch genau
gegenan steht. Draußen setzen wir Segel und kreuzen aus dem
Trichter und um die Nordostecke von Als. Den Schlag quer über den
Aabenraafjord zur Insel Barsö können wir wieder anliegen.
Dahinter öffnet sich der Gennerfjord, den wir bei kräftigen
Böen in Schlangenlinien bis zur Insel Kalvö aufkreuzen. Hier finden wir das, was wir in der Dyvig erwartet hatten: Ruhe und Natur. Der Clubhafen ist wie aus dem Bilderbuch. Das Hafenmeisterhäuschen ist 2x2 Meter "groß" und steht offen. Drinnen hängen zwei Briefkästen. Den freundlichen Hinweisen entnehmen wir, daß einer für die Liegegebühren ist und in den anderen wirft man einen Umschlag mit der Brötchenbestellung, nebst Geld. Lieferung morgens 8 Uhr durch den örtlichen Bäcker. Das Clubhaus liegt 50 Meter weiter und steht ebenfalls offen. Hier sind neben Duschen und Toiletten eine kleine Küche und ein Aufenthaltsraum untergebracht, die Besucher selbstverständlich mitbenutzen können. Davor wird ein kleiner Garten liebevoll gepflegt. Wenig später entdecken wir sogar den Fahrradverleih: am Hafenmeisterbüro sind einige betagte Räder angelehnt, die man gegen eine Spende in eine angeschraubte Spardose benutzen kann. So radeln wir zum Ort, um unsere Vorräte etwas aufzufrischen. Abends sitzen die Einheimischen an einigen Holzbänken am Fuß der Stege zusammen und grillen, aber bis wir uns dazugesellen, ist die Versammlung fast aufgelöst. Bei der Ausfahrt aus dem Fjord und an Barsö vorbei haben wir
endlich ´mal richtig Sonne und in der Einfahrt zum Als Fjord können
wir sogar den Spi ziehen. So hatten wir uns den Urlaub vorgestellt. Ab
und zu bringt ein kleiner Wolkenstreifen etwas mehr Wind mit,
ansonsten sitzen wir rechts und links auf den Seitendecks und ziehen
gemütlich dahin. An der Zusammenführung von Augustenborgfjord und Als Sund bergen wir den Spi und legen an der Sottrupskov Bro an. Der Anleger gehört zum gleichnamigen Kro, der heute leider geschlossen ist. Die Toiletten können wir aber benutzen. Duschen könnte man auch, jedoch nur freifliegend in der Toilette, was uns wenig attraktiv erscheint. Am späten Nachmittag noch sind wir die einzigen Gäste am Steg (neben zwei Dauerliegern). Im Laufe des Abends treffen aber immer mehr Boote ein - das beginnende Wochenende wirft seine Schatten voraus. Morgens sind wirklich alle Liegeplätze belegt. Hier treffen wir auch die einzigen anderen Boote in unserer Größenordnung. Uns gegenüber liegt eine Varianta mit einem jungen Päärchen, neben uns hat ein alter 20er Jollenkreuzer festgemacht. Sonst sehen wir fast ausschließlich 10-Meter-Familiendampfer und fragen uns oft, wo die vielzitierten kleinen Boote sind, für die dieses Revier so gut geeignet sein soll (was es auch ist).... Bei Frühstück werden wir von dem gelernten Bootsbauer im Cockpit des 20er fachmännisch begutachtet. Es ist faszinierend, wie bekannt der Diabolo offensichtlich ist. Er scheint der Traum vieler gewesen zu sein, aber nur wenige haben ihn sich erfüllt. Offensichtlich fällt das Urteil positiv aus und wir sind so nett, im Gegenzug auch seine Restaurierungserfolge gebührend und fachmännisch zu bewundern. Trotzdem kann er es nicht lassen, demonstrativ unter Spi abzulegen. Wir lassen es ruhiger angehen und kreuzen Richtung Augustenborg. Die enge Fahrrinne zum Hafen laufen wir unter Motor, backbords immer den ausgedehnten Schloßgarten. Der Yachthafen bietet uns wieder etwas mehr Luxus und einen ausgesprochen freundlichen und gesprächigen Hafenmeister. Abends wollen wir uns im vielgepriesenen Skipper Kro verwöhnen lassen. Als wir diesen jedoch sauber und mit frischem Hemd betreten, bekommen wir nur den Katzentisch. Zuerst nehmen wir das hin, da wir nicht reserviert haben, als sich nach fast 20 Minuten aber immer noch niemand um uns kümmern will, geben wir dem ständig hochnäsig vorbeiflitzendem Ober zu verstehen, daß wir solchen Service nicht gewohnt sind. In einem Yachthafenlokal sollte man eigentlich als Segler auch willkommen sein, ohne Statussymbole wie Blazer oder Clubkrawatte. Der Hafen scheint aber fest in der Hand von deutschen Wassersportlern zu sein, die dies offensichtlich brauchen - traurig. Uns verschlägt es nach einigem Suchen in einen dänisch-indonesisch-holländischen Imbiss. Recht skurril, aber wir sind gerngesehene Gäste und werden für wenig Geld satt. Die Fahrt nach Sonderborg am nächsten Tag ist etwas nervig. Der Wind ist böig und dreht immer wieder. Im Als Sund geraten wir auch immer wieder in die Abdeckung von Bäumen, wo viele große Yachten unbeeindruckt vorbeiziehen, da ihre Riggs über die Bäume reichen. Wahrscheinlich wirken wir etwas betrunken.... Heute abend präsentiert sich auch Sonderborg sonnig. Unser alter Liegeplatz ist noch frei und die Pölserbude hat geöffnet. Herz, was willst du mehr? Wir fröhnen einige Zeit unserer zweitliebsten Beschäftigung:
einlaufenden Yachten beim Hafenbillard zuzusehen, dann verholen wir
ins Kolosseum, einem kleinen Restaurant am alten Hafen, das uns für
die gestrige Pleite mehr als entschädigt. Der Montag ist sonnig, aber flau. Deshalb entschließen wir uns zu einem Hafentag und stürzen uns in den Sonderborger Schlußverkauf. Dabei lernen wir die Vorzüge moderner elektronischer Kassen kennen, die dafür sorgen, daß durch Vermischung alter Rabatte und neuer Sonderangebote zwei Pullover zusammen billiger sind als einer. Wir nehmen drei zum Preis von 1½, verzichten aber darauf, nachzufragen, ab wievielen wir Geld zurückbekommen.... Zurück in der Außenförde dienen wir der Erheiterung eines Butterdampferkapitäns. Wohin wir auch ausweichen, er ändert seinen Kurs immer vierkant auf uns zu um schlußendlich knapp an uns vorbeizuziehen. Vielleicht will er seine Passagiere unterhalten und wir sind jetzt auf einem Dutzend Urlaubsvideos. Hinter der "Schwiegermutter" (Ansteuerungstonne Flensburger Förde) frischt der Wind auf und wir können wieder die beeindruckende Geschwindigkeit genießen, die wir trotz vollem Urlaubsgepäck erreichen. Manch größere Yacht lassen wir im Surf mühelos hinter uns und selbst am Wind laufen wir zuweilen knapp 6 Knoten. Zurück im Glücksburger Yachthafen springt uns schnell der Windbeutel der Horns ins Auge, die wir dann am Abend auch noch näher kennenlernen. Schade, daß wir nicht bis zum Diabolotreffen bleiben können, aber wir haben im Anschluß noch einen Zweiwochentörn in Schottland gebucht. Ein Testanruf zuhause zeigt, daß hier "leider" nichts dazwischenkommt. So müssen wir schweren Herzens am nächsten Mittag die Rückfahrt antreten. |