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Dr. Segger Boote
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Aus der Bauanleitung...

(Auszug aus "Boote selbst bauen nach der Stitch-and-Glue Methode")

Aufreißen

Der Schritt des Aufreißens muß sorgfältig und systematisch erfolgen. Der Grundsatz "measure twice - cut once" gilt hier wie nirgendwo sonst. Trotzdem kann man sich das Leben auch hier erleichtern.

Da die Rumpfplatten symmetrisch sind, haben wir sie in einem Arbeitsgang zugeschnitten. Dazu haben wir die geschäfteten Platten mit ihren späteren Innenseiten bündig aufeinandergelegt und zusammengetackert (wieder mit Gurtband).

Jetzt wird das vorgegebene Gitternetz auf eine Plattenseite aufgezeichnet, dann die Schnittpunkte der späteren Kanten (Stationen) abtragen. In diese schlagen Sie dünne Stahlstifte oder, besser, Sie heften ca. 2x2cm Sperrholzstückchen aus einem Reststück so auf die Platte, daß eine Ecke genau auf dem jeweiligen Punkt liegt. Jetzt können Sie eine Straklatte (ca. 10x20mm) anlegen und die Kanten auszeichnen. Falls vorgesehen, zeichnen sie gleich die Linien für spätere Bodenstringer mit ein.

Steht die Kontur und straken alle Linien greifen sie beherzt zur Stichsäge und schneiden beide Platten gemeinsam aus. Falls ihre Sägelinie nicht 100% glatt ist, können sie mit dem Surformhobel noch mal nacharbeiten.

Weiter geht´s mit dem Bohren. Markieren sie ca. 1,5cm vom Rand aller zukünftigen Nähte eine Linie. Entlang der Kiellinie bohren sie nun ca. alle 25 cm ein Loch von 3mm ø in die markierte Linie. In starken Krümmungen und an Bug und Heck dichter, ca. alle 10-15cm. Die Kimmnaht bohren sie nur entlang einer Kante. Die Gegenseite verschiebt sich stark und muß deshalb später passend gebohrt werden.

Da sie die Linien der Stringer schon mit aufgerissen haben, bohren sie diese auch gleich alle 25-30cm mit.

Durch die getackerten Platten sind ihre Konturen nun exakt symmetrisch und die Löcher auch genau gegenüberliegend. Jetzt können die Klammern gezogen werden.

Mit einem Ziehklingen- oder Handhobel werden die Kanten der Nähte nun 45° abgeschrägt. Dabei hobeln sie nur bis etwa zur halben Plattenstärke herunter.

Wir haben die Innenseiten der Platten jetzt einmal mit Epoxi beschichtet. Das geht zu diesem Zeitpunkt noch sehr einfach und läßt sich nach dem Aushärten mit dem Exzenterschleifer zeitsparend schleifen. Vor dem Schleifen gründlich mit der rauhen Seite eines Glitzischwamms und Seifenlauge abwischen, dadurch setzt sich das Schleifpapier nicht so schnell zu.

Rödeln

Damit die Schale Formen annehmen kann müssen die Platten nun zusammengerödelt werden. Wir waren der Meinung, daß die Drähte hinterher alle wieder gezogen werden und nicht im Rumpf verbleiben sollten. Die Vorstellung, daß sich einzelne später herausarbeiten und die Außenhaut verschandeln und korrodieren, erschien uns zu ärgerlich. Der Mehraufwand ist vergleichsweise gering. Deshalb haben wir mit einfachem 1,2mm Stahldraht gearbeitet. Hiervon haben wir ca. 100 Stücke zu 20cm vorgeschnitten. Außerdem legen sie sich noch eine Kombizange und einen Seitenschneider, einen mittelgroßen Schraubenzieher und die Bohrmaschine mit 3mm Bohrer zurecht.

Falls sie beschichtet haben, haben sich einige Löcher mit Harz zugesetzt. Diese müssen zuerst nachgebohrt werden. Dann legen sie die Platten wieder aufeinander und richten alle Kanten bündig aus. Stecken sie durch alle Löcher der Kiellinie eine Drahtstück und biegen es grob zusammen. Nun beginnen sie an einem Ende: drehen sie die Drähte mit der Kombizange zusammen. Legen sie dabei die Spitze des Schraubenziehers zwischen Plattenkante und Draht. Wenn sie nun soweit anziehen, daß der Schraubenzieher fest eingeklemmt wird, ist die Spannung optimal. Schraubenzieher herausziehen und weiter geht´s mit dem nächsten Draht. Bei dieser Methode werden sie sehr schnell ein Gefühl dafür bekommen, wie fest sie anziehen müssen.

Der große Augenblick

Jetzt steht einer der befriedigensten Augenblicke des Baus unmittelbar bevor: der noch recht abstrakte Plattenstapel wird zur Rumpfschale werden.

Falls sie mit einer Tauhelling arbeiten klemmen sie die Platten an der losen Seite mit 2-3 Schraubzwingen aufeinander. Stellen sie die Platten nun hochkant hin und ziehen die Taue darunter. Spannen sie diese nun nacheinander, bis sich das Paket vom Boden abhebt. Bei einer festen Helling - wie auf den Bildern - stellen sie die Platten gleich hinein.

Lösen sie die Zwingen und klappen sie die Platten am Heck auseinander. Es knarzt kurz und - voilà - die Schale nimmt ihre dreidimensionale Form an. Genießen sie den Moment!

Die Seitenplanken wabbeln jetzt noch ziemlich herum. Am besten halten sie sie mit zwei untergestellten Tischböcken und ggf. einer Zwinge oder einem Stück Gurtband provisorisch in Form.

Bei einer festen Helling nehmen die Bodenplatten jetzt automatisch ihre richtige Spreizung ein. Bei einer Tauhelling müssen sie die Spannung der Taue jetzt so regulieren, daß die Oberkante der Schale auf ihrer vollen Länge möglichst waagerecht aussieht. Dies müssen sie im Verlauf des Ausrichtens auch immer wieder nachjustieren.

Zum Rödeln der Kimmkanten richten sie die Seitenplanken am Spiegel noch einmal grob aus und beginnen von vorne, die Rödel zu setzen. Bohren sie immer ein bis zwei der notwendigen Löcher in die Seitenplanke, biegen einen Draht zu einem U und stecken ihn von innen durch. Nun ziehen sie erst grob an - diesmal ohne Schraubenzieher. Legen sie die Fingerspitzen innen und außen direkt gegenüber auf die Naht und drücken sie in Form. Versuchen sie den Versatz der Kanten zueinander so gering wie möglich zu halten und sichern sie diese Position durch weiteres Festdrehen. Wenn sie hinten angekommen sind, gehen sie die gesamte Naht noch einmal durch und ziehen die Fuge fast dicht. Dabei immer wieder mit der Fühlprobe kontrollieren.

Peilen sie zum Schluß außen entlang der Kante. Sie sollte jetzt eigentlich bereits weitgehend straken. Falls nicht, klopfen sie an den entsprechenden Stellen mit einem Holzstück die Platten in die nötige Form.

Hinten wird nun der fertig zugeschnittene Spiegel eingepaßt. Setzen sie ihn provisorisch ein und markieren seine Unterkante auf den Rumpfplatten. Bohren sie entlang dieser Linie nun zwei Reihen Rödellöcher. Die Reihen sollten ca. 2-3cm auseinander liegen. Im Kielbereich sollten die Löcher einen Abstand von 5-6cm haben, zu den Außenkanten hin reichen 10-15cm. Bohren sie nun die Spiegelunterkante passend.

Setzen sie den Spiegel wieder ein und richten seine Mitte auf die Kielnaht aus. Beginnen sie hier, einige Rödel zu setzen. Wahrscheinlich ist der Abstand zu den Rumpfplatten etwas größer, so daß sie sich u.U. langsam an die fertige Form heranarbeiten müssen. Liegt die Unterkante weitgehend an den Rumpfplatten an, können sie sehen, ob die Außenkanten passen. Richten sie aber zuerst die Unterkante wieder auf die von ihnen markierte Linie aus. Paßt nun alles, setzen sie an beiden Seiten je einen Rödel an die Rumpfoberkante, um die Neigung des Spiegels zu fixieren.

Jetzt sieht der Rumpf schon fast aus, wie er soll.

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