|
Törnbericht Berlin 2000 Es ist Freitag morgen, kurz vor acht. Der Trailer ist angehängt, die Gurte sind fest und Licht geht. Los geht´s - unser erster Diabolotörn startet.
Da vorerst niemand mehr angesagt ist, geht´s gemeinsam zurück in den Hafen der SG Einheit. Dabei dürfen wir auch die einzigen Sonnenminuten dieses Tages genießen - schon als wenig später Klaus und Bruno eintreffen fängt es passend wieder an zu regnen. So verlegen wir die Kennenlernrunde in die Hafenkneipe und lassen uns erstmal mit einem angemessenen Abendessen verwöhnen. Zu vorgerückter Stunde stößt auch Jo noch zu uns. Wir wähnen die Märkischen Kranadler schon zuhause und nach genauem Nachmessen entschließt sich Jo, die Slipbahn zu versuchen. Während er das tut steht plötzlich der Herr über den Kran daneben und ist ganz geknickt: er hätte doch extra gewartet und jetzt bräuchten wir ihn gar nicht. Bevor er in Tränen ausbricht erklären wir ihm unsere Situation und versprechen, alle anderen durch seinen tollen Kran ins Wasser zu bringen. Am Samstag treffen Heike, Wilfried und Mario mit der Samoa, sowie Reinhold und Andreas mit ihrer Naucum und wenig später auch Jüs, Hans-Peter und Brigitte ein. Damit sind wir also vollzählig. Sechs Diabolos, ein Seggerling, der Prototyp des neuen Kenternix und eine Conger. Einige haben noch ein sehr deutsches Erlebnis mit der Wasserschutzpolizei. Diese besteht auf einer Kennzeichnung der Boote mit einer offiziellen Nummer. Die Belehrung, wie man diese mit Papier und Edding von innen an die Scheibe kleben kann, lassen sie sich mit 40,-DM vergüten - sehr hilfsbereit....
Vorher besichtigen wir den Brandenburger Dom, der gerade restauriert wird und einige zieht es weiter in die Stadt, wo sie für den Abend ein Fischlokal auskundschaften. Wir machen den Auftakt beim Segeln und genießen den ersten schönen Nachmittag seit Tagen. Ein Dixiland-Dampfer zieht seine Kreise, Wir ziehen von ihm beschwingt den See rauf und runter, es hat leichten Wind, Entspannen ist angesagt. Montags wollen Klaus und Bruno das mit der Registrierung genau wissen. So starten wir erst kurz nach mittag mit gelegten Masten die Stadtdurchfahrt durch Brandenburg. In der Schleuse drehen wir gleich einen Film: irgendwie müssen wir doch alle gleichzeitig hineinpassen. Ein ausdauerndes Schieben, Fendern und Abhalten beginnt, aber schlußendlich klappt es natürlich nicht. Jo und Dirk müssen nachkommen. Derweil stellen wir anderen hinter der letzten Brücke die Masten.
Die Einfahrt in den Kanal bei Caputh findet Hans-Peter als erster. Nach und nach folgen ihm alle in die betonbefestigte Einfahrt, hinter der sich eine Märchenidylle auftut. Große Weiden hängen weit in den schmalen Kanal, der in einem winzigen Becken endet. Wenn Dornröschen ein Boot gehabt hätte, es hätte hier in Gerts Heimathafen gelegen.
Donnerstag soll Regatta sein. So wandern alle immer wieder zur Einfahrt des Kanals hinaus um ins Wetter zu schauen - und kehren meist kopfschüttelnd zurück. Bis Reinhold und Andreas sich schließlich ein Herz fassen und Segel setzten. Als alle sehen können, daß sie draußen viel Spaß haben, geht alles recht schnell: Persenninge werden eingerollt, eine Steuermannsbesprechung angesetzt, der Kurs wird diskutiert und dann doch gemacht, was Jüs will. Chaos live, aber irgendwie funktionierts doch. Draußen lernen wir dann das Startverfahren der Diabolos kennen. Der vermeintlich langsamste wird ausgeguckt und wenn der über die Linie geht ist Start. Eigentlich sehr einfach. Es führt aber dazu, daß sich nach dem Start das ganze Feld dicht geschlossen irgendwohin bewegt, wo nicht unbedingt die erste Bahnmarke liegen muß. Beim Versuch, aus diesem Pulk herauszuwenden läuft uns das Boot in einer Böe aus dem Ruder und wir verhelfen Hans-Peter beinahe zu einem weiteren Versicherungsfall - peinlich, peinlich. Irgendwie schaffen wir es dann doch auf die andere Seite der Bahn. Samoa ist kurz hinter uns in Luv. Wir wollen wenden und hinter ihnen durch, aber angesichts unserer Vorstellung von eben weichen sie trotz Wegerecht lieber großräumig aus. Hoffentlich holen wir uns jetzt nicht den Ruf als Abwracker.... An der Luvtonne sind wir plötzlich vorn. Aber warum sind die anderen alle da hinten? Ist das die falsche Tonne? Gert und Jüs sind kurz hinter uns, dann wird´s schon stimmen. Auf dem Halbwindschlag knallen die Böen so heftig rein, daß wir zwei oder drei Sonnenschüsse machen, bis wir lernen, mit Traveller und Großschot so zu arbeiten, die Böen in Speed umzusetzen, statt in Chaos. Kurz vor der zweiten Marke ist Gert schon gleichauf und natürlich markiert die Tonne ein Flach, auf dem wir promt gemeinsam einparken. Wir runden die Tonne zwar noch in Führung, aber nun spielt Jüs seine ganze Erfahrung aus. Während wir den direkten Weg zur nächsten Marke suchen, läßt er Gert einen Leebogen fahren, auf dem sie gleichmäßigeren Wind haben. So schieben sie sich unaufhaltsam in Führung, die sie bis ins Ziel halten. Jüs will noch einen zweiten Lauf segeln, aber Hans-Peter, der wieder das Startschiff machen soll, ist das irgendwie nicht bewußt. Bis wir schließlich Jo als neuen Starter ausgeguckt haben, sind Naucum und Samoa entnervt in den Hafen zurückgekehrt. Die erste Runde führen Jo und Dirk, während Goliath und Arawak sich um die Plätze rangeln. Auf der zweiten Kreuz erwischen wir dann zwei kleine Winddreher genau richtig, während Jo jeweils im ungünstigen Moment wendet. So gehen wir wieder als erste um die Luvtonne. Gert und Jüs haben es auf der anderen Bahnseite versucht und verholen sich damit ganz nach hinten, schaffen es aber vorm Wind doch noch an Islena vorbei. Nun muß es aber gut sein. Wir sind kaputt und haben Kohldampf. So belagern wir wieder alle gemeinsam im Caputher Fährhaus den Saal und mampfen uns durch die Speisekarte. Der Freitag beginnt wieder mit Mastlegen. Unter Motor laufen wir von Caputh durch Potsdam bis zur Glienicker Brücke, wo der alte Westen anfängt. Wenn man darüber nachdenkt, wie wir uns hier über 40 Jahre lang belauert und eingeschüchtert haben, kann man heute nur noch mit dem Kopf schütteln. Unseren Kindern werden wir das nicht mehr erklären können. Als sich alle wieder versammelt haben, laufen wir unter Segeln Havel und Wannsee nach Norden bis zur Scharfen Lanke.
Am Samstag zerstreut sich die Gesellschaft, zum Teil schon auf die Autobahn, zum Teil nach Berlin zu Shopping und Kultur. So klingt ein Törn aus, der nicht immer vom Wetter verwöhnt war, der aber durch gute Organisation, ein wirklich schönes Revier, vor allem aber durch die netten Leute zu einem tollen Erlebnis wurde. Wir werden auf jeden Fall versuchen, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein. Katharina & Frank Esser |