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Büssers Nachtörn-Woche

{Leuchtturm}

Eigentlich wollen wir ja noch hochfahren an die Müritz. Friedrich Pfaff mit Familie ist oben und hatte uns im Vorfeld des Törns eingeladen. Da ich jedoch seine Natelnummer verloren habe und wir auch keine besondere Lust verspüren, nochmals zu trailern, bleiben wir noch ein wenig in den Berliner Gewässern.

Genauer gesagt: Der Romantik-Hafen von Caputh ist unser Stützpunkt, unser Hort, unser Nest. Von dort aus machen wir in der Folge alle Ausflüge zu Wasser und zu Land, nachdem wir am Sonntag bei schönstem Wetter Gert mit seiner Goliath nach Hause begleitet haben.

So landen wir am Sonntagabend nach Verabschiedung von Gert nochmals im Märkischen Gildehaus zum Abendschmaus.

Der Montag ist gekennzeichnet durch langes Ausschlafen am Morgen und einer ersten Ausfahrt auf dem Schwielowsee. Dabei messen wir die ganze Länge bis Ferch ab, das am Ende des Sees liegt. Mit einer wunderbaren Kreuz gelangen wir abends zurück in den Hafen, wo es dann zum Nachtessen Chili con Carne (rote Bohnen mit Hackfleisch) gibt.

Am Dienstag , nach eingehendem Kartenstudium, entschließen wir uns, fremd zu gehen. Mit gelegtem Mast geht es hoch zu der Insel Werder, wo wir beim hiesigen Segelklub anlegen, um das Inselstädtchen anzusehen. Mißtrauisch beäugen wir das Waschpo-Boot, das inmitten der Havel auf der Lauer liegt. Aber es will uns nicht.

Nach Besichtigung der Inselschönheiten und einem Drink im "Arielle" geraten wir kurz vor unserer Abfahrt in einen veritablen Wolkenbruch. Etwa zwei cm Wasser sind hierauf aus der Plicht abzulassen, ehe wir uns einer kleinen Brücke am Südufer der Havel nähern und durch den Stichkanal in den Glienowersee einlaufen.

Was wir nicht erwartet hätten: Hier kommt uns ein kleines blaues Boot hintennach und bringt uns auf. Nach scheinbar endlosen Minuten Palavers mit den Bootsausweisen in der Hand kommt dann der Polyp wieder zum Vorschein: in Ordnung. Des Rätsels Lösung: er erzählt uns von Diebstählen speziell neuer Motoren und ermahnt uns, gut auf unseren aufzupassen.

Der Hafen des Dorfes Glindow ist rasch erreicht, ein Ort mit ausgezeichnete Anlagen. Das Gasthaus "Marina Helena", bestückt mit Modellen alter Clipper, verpflegt uns ausreichend und gut.

Dienstags lösen wir uns wieder vom Steg des Ortes und machen segelnd eine Umrundung des Sees, ehe wir mit gelegtem Mast wieder Richtung Schwielowsee abdampfen und unseren Hafen aufsuchen

Nach kurzem Besuch von Gert laufen wir nochmals etwas aus. Und da es ausnahmsweise mal sonnig und warm ist, tummeln wir uns ausgiebig in den Fluten des Sees, ehe wir uns im Hafengelände gemütlich zum von Brigitte gekochtem Abendessen niedersetzen und einfach die Ruhe des Abends genießen.

Da am Donnerstag das Wetter nicht so vielversprechend ist, lassen wir uns per Bus nach Potsdam und per Bahn nach Brandenburg führen. Wir wollen bei der Gelegenheit unser Gespann nach Caputh überführen. Leider ist niemand dort um diese Zeit. Mit viel Glück kommt gerade ein Klubmitglied zurück aus den Ferien. Fragen wir mal! Tatsächlich, er hat einen Schlüssel. und so kommen wir ohne Wartezeit vom Gelände weg.

Durch die vielen Pflasterstein-Abschnitte hat sich unbemerkt unser Lichtbalken gelöst und donnert kurz vor Caputh auf die Strasse. Folge: ein Lampenglas kaputt in Caputh! Ich ärgere mich zu Tode: eine Kontrolle vor Antritt der Fahrt hätte solches Ungemach vermieden.

Zu allem Überfluß vermissen wir einen Sack mit eben gekauften Karten und einem Stück Käse. Das ist denn zuviel des Guten! Brigitte schlägt vor, zum Trost im Gildehaus essen zu gehen. Dort entspannen sich dann unsere Nerven wieder merklich, zumal ich noch dem Pneu-Möller oben am Hafen meinen Reifen zur Reparatur bringen kann.

Nachdem wir am Freitagmorgen den Reifen geholt und unsere Auswasserung abgeklärt haben, geht´s nochmals Richtung Brandenburg. Nochmals ärgerlich, der Sack liegt noch dort, aber nur mit dem Käse. Ein neugieriger Unbekannter konnte nur mit den Karten etwas anfangen. Traurig, traurig! Abendessen gibt´s dann im Fährhaus, diesmal auf der Aussichts-Terasse.

Da der Samstag schon am Morgen sehr trüb und regnerisch ist, gehen wir nochmals nach Potsdam. Dort flanieren wir fast zwei Stunden in der schönen Innenstadt mit seinen wunderbaren, frisch renovierten Ladenstrassen. Wenn ich heute mit zwei Paar neuen Hosen meinem Alltagsgewerbe nachgehe, sehe ich immer den Potsdamer Laden vor meinen Augen.

Auf dem Heimweg fängt es an zu schütten und hält durch bis Abends um etwa fünf Uhr. Dann endlich können wir bei leichter Besserung wieder die Nase an die frische Luft stecken. Wir beschließen Nachtessen im Gasthaus "Bootklause" in Ferch und Besuch eines Kleintheaters. Ersteres ist ein voller Erfolg, weil fein und preisgünstig, zweites fällt ins Wasser: Da stehen Leute herum, die nicht wissen, warum die Veranstaltung nicht stattfindet! Aufklärung sollte doch möglich sein.

Der Sonntag ist unser letzter Tag, und der hat es in sich! Am Nachmittag gibt´s nochmals Wind in allen Variationen: Beaufort 1 - 4, Richtungen Südwest bis Nordost! Wir genießen es ausgiebig und gehen dann zu unserem großen Abschiedsessen ins Gasthaus Haveltreff gleich neben dem Fährhaus. So klingt die Woche leise und beschaulich aus.

Der Montag ist dann dem Auswassern gewidmet. Da der ursprüngliche Auswasserer 75 Mark wollte, haben wir Umschau gehalten und noch einen Verein neben der Seilfähre gefunden, wo wir das Boot sogar selbständig Über einen Slip auswassern können, bei moderatem Preis trotz aller erdenklichen Hilfe.

Nun sind wir wieder nach Hause gekommen und FILINE ruht auf dem ihr zugedachten Platz bis zum nächsten Einsatz. Ihre Besitzer aber träumen heute noch von der Abgeschiedenheit des romantischen Hafens von Caputh.

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