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Natur pur: Mecklenburger Seenplatte

Letztes Jahr an der Jahresversammlung haben wir uns entschlossen, nach 1992 zum zweiten Mal an die Mecklenburger Oberseen zu gehen. So führte uns der Törn 2003 in diese wunderschöne Gegend. Vor allem die, welche 1992 dabei waren, waren sehr gespannt auf die Veränderungen dieses Gebietes. Ueber Bernhard, der rekognoszierte, hatten wir schon so allerhand gehört über den Ausbau der Häfen und den Charterbetrieb, der dort in der Ferienzeit herrschen soll.
Es fing nicht gut an: Bei guter Teilnahmelage bröckelte aus den unterschiedlichsten Gründen gegen den Schluss einer nach dem Andern ab. Klaus Schwinn konnte dank Klaus Büttner, der auf seine geliebte Heika verzichtete, dann doch noch teilnehmen: Fünf Boote blieben über, dafür wieder einmal alles DIABOLOS.


Freitag, 1. August:
Hinfahrt Wieder am Schweizer Nationalfeiertag, wie letztes Jahr, machen wir uns auf die Fahrt Richtung Berlin. Eine Stunde hinter Berlin übernachten wir im Landhaus Wittemans in Stöffin bei Neuruppin. Essen, Zimmer, Umgebung, Ruhe....alles super!
Samstag 2. August: Hafentag Plau
Nach zwei Stunden Restfahrt treffen wir in Plau ein. Wieder, wie letztes Jahr, treffen wir zuerst die Fischermanns. Freudige Begrüssung auch mit den Anderen. Drei sind schon da und im Wasser, Glades sind gerade vor uns eingetroffen.
Nun ist mal Aufriggen, Einwassern, Box belegen und Einrichten angesagt. Auch das erste Plauderstündchen ist fällig, zumal noch Gert mit Familie und Bernhard und Gisela auftauchen. Den Abend verbringen wir im Garten des Gasthauses Fischerstube, gegenüber dem Hafen.
Sonntag, 3. August: Plau-Malchow, 15 km
Nun gilt es ernst: Nach dem obligaten z´Morgen und Abbrechen der Zelte gehen wir einer nach dem anderen auf grosse Fahrt. Auf dem Plauersee Segeln ist angesagt nach Lust und Laune, Treffpunkt ist bis 14.00 Uhr der Eingang des Lenzer-Kanals. Dort müssen wir Mastlegen wegen einer Brücke.
Die Fahrt danach ist wunderschön und weckt Erinnerungen. Vieles ist bekannt, manches sieht ganz anders aus. So der riesige Betrieb auf dem Wasser. Boot um Boot, meist Motorboote, überholen oder kreuzen uns, wir sind nicht mehr allein wir noch vor elf Jahren. Das sollte dann die ganzen Ferien so bleiben.. Die Region ist nun zum nicht mehr geheimen Geheimtipp geworden.
Genau um drei Uhr treffen wir bei der Drehbrükke von Malchow ein und können sie bei geöffnetem Zustand passieren. Hinter dieser macht der Malchowsee nach 1 Kilometer einen Bogen nach Norden. Am Ende dieses Seeteils erblicken wir den Hafen des Segelvereins.
Als Erster muss ich natürlich vorsondieren. Leider sieht man von Süden her die Tafel des Gästesteges nicht, So fahre ich ahnungslos hinein in den Klubhafen und prompt auf Schiet. Schwert und Ruder müssen rauf, und unterdessen hat uns der Hafenmeister zum Gästesteg komplimentiert.
Gleich nebenan ist das Malchower Strandbad. Ein reger Betrieb herrscht, und wir mischen munter mit, denn mit etwa 30 Grad ist und war es etwas heiss.
Die Hafenbar sieht der Reihe nach DIABOLISTEN für einen Umtrunk. Und am Abend marschieren wir ins Städtchen Malchow und essen ...was wohl am Wasser?...Fisch natürlich!
Montag, 4. August: Malchow-Klink, 20 km
Wie gehabt: Nach und nach erwachen die Diabolo-Seelen, einige nehmen noch das Morgenbad. Dann sieht man die Diabolisten an Brötchen kauen und Boots-Kaffee unterschiedlicher Konsistenz trinken. Und zu später Morgenstunde werfen wir Leinen los und schippern frohgemut Richtung Osten.
Zuerst gilt es den Fleesensee zu überqueren. Das macht nicht nur Spass, denn die Windrichtung zwingt uns zum Kreuzen. Zum Glück gibts auf einem Bug einen langen Schlag.
Dann, weil Vorschrift, mit Motor durch den Göhren-Kanal und raus auf den nächsten See, den Kölpin. Auch hier wieder das Spielchen mit der Kreuz. Schlussendlich sind wir aber doch am Ende des Sees und legen unsere Masten für die Durchfahrt durch den Reekkanal, unter der Brücke der B 108 durch und in die Binnenmüritz. Landschaftlich eine wirklich schöne Fahrt. Wo bei uns sieht man noch so viel Schilf und Ufergehölz!
Eigentlich wollten wir noch auf einen kurzen Sprung nach Waren. Aber die Hitze und der lange Törnteil lassen uns auf dem schnellsten Wege nach Klink segeln.
Ich zum Hafenmeister: "wir sind angemeldet" - Er: "Von dem weiss ich nichts! Eingetragen seid ihr am Dienstag, heute ist erst Montag!"Trotzdem kriegen wir Platz in zwei grossen Boxen, wo wir uns je zu Zweien reinlegen können. Ich reserviere gleich noch für Mittwochabend, wenn wir die Sitzung im Gasthaus "Gutshaus" bei Dagmar abhalten werden. Auch dort weiss niemand so recht Bescheid. Also wird sogleich für das Nachtessen und für die Sitzung abgemacht. Und das Essen sollte uns nicht enttäuschen. Dagmar Leistner betreut uns zum Teil persönlich. Sie ist eine unheimlich charmante und natürliche Person.
Dienstag, 5. August: Klink-Sietow, 7 km
Eine kurze Strecke, die uns erwartet, nachdem wir unsere elektronischen Waschraumschlüssel zurückgegeben und das Depot zurückbekommen haben. Mit dem Hinweis "Wir kommen wieder" verabschieden wir uns vom Hafenmeister.
Die Fahrt nach Sietow ist nicht lang, aber zäh. Der Wind säuselt ein wenig im Zeug herum, und so schaffen wir kaum die Hälfte der Strecke. Also ist Motoren angesagt. Kurz vor dem Hafen gibt es noch einmal etwas Wind, und nacheinander laufen wir hinter die Betonschwimmstege, die sich am Ufer von Sietow breitmachen.
Nach dem üblichen Drink und der Erledigung der finanziellen Seite mit der Hafenmeisterin geht¦s dann am Abend nach einer ermüdenden Velotour in die Räucherkneipe, wo selbstverständlich Räucherfisch aller Arten serviert werden.
Zusammen mit Brigitte nehme ich einen Schlemmerteller. Der ist so voll, dass wir nicht die Hälfte davon runterbringen und am Schluss noch froh um die Hilfe vor allem vom gefrässigen Mario sind.
Mittwoch, 6. August: Sietow-Klink 10 km
Heute wollen wir die Regatta durchführen, weil am Abend schon die Sitzung mit anschliessender Rangverkündigung stattfindet. Auch der Wind macht glücklicherweise mit. Und um etwa elf Uhr sind wir bei der roten Sietow-Tonne versammelt.
Natürlich sind die beiden Kläuse beim Startschuss zu spät, weil sie sich im Vertrauen um die Startzeit (11.15) zu weit von der Startlinie entfernt haben, was man nicht machen darf. Die anderen Vier starten ungefähr gleichauf, besser auf jedenfall als letztes Jahr.
Wärend nun der schlaue Fuchs Fischer in Luv unaufhaltsam seine Bahn zieht, rauschen wir anderen in Lee mit und verlieren schon bis zur Sietow-Leuchttonne Boden. Ausserdem geht die CEBOLA noch weit nach aussen und versauert dort während Minuten. Wir anderen wählen einen Mittelweg, aber je weiter draussen wir sind, desto ungünstiger wird die Situation. Denn der Wind hat abgeflaut, und Fischers in Luv kriegen jeden Windeinfall zuerst.
Ein Glück, dass sich die Windsituation noch ändert, denn plötzlich bekommt die CEBOLA guten Wind, schliesst auf und gewinnt die Regatta hauchdünn.
Wilfried hat nicht so viel Glück. Er kann zwar zu uns aufschliessen, wird aber aufmerksam gedeckt und schafft es nicht mehr ganz. Es fehlen ihm etwa zwei Bootslängen, also auch sehr wenig.
Klink hat uns wieder. Am Abend machen wir nochmals Dagmars Gutshaus die Aufwartung. Rangverkündigung und Jahresversammlung finden bei ihr statt. Davon soll dann in speziellen Beiträgen die Rede sein. Beim Essen ist es so still im Saal, dass man schon getrost annehmen kann, es schmecke jedem auf´s Beste.
Donnerstag, 7. August: Klink-Sietow via Waren 13 km
Da die Programme von heute an etwas differieren, zerfällt die Einheit der Gruppe. Horst und Wilfried wollen zurück nach Plau und verabschieden sich.. FILINE gibt ihnen noch das Geleit bis zur Binnenmüritz, kehrt dann aber um und steuert direkt nochmals Sietow an.
Ernst und Klaus holen in Plau ihre Gespanne und wollen in Sietow auswassern.. Dort warten wir auf die Beiden. Nachdem Ernst sein Gefährt zur Fahrt bereit hat, be(ver)suchen wir nochmals die Räucherkneipe. Diesmal nehmen wir einen Saibling. Den mögen wir, und er ist wirklich gut.
Freitag: 8. August: Sietow-Röbel 11 km
Mit Auswassern der SKALAR und einem feinen gemeinsamen Frühstück schliessen wir den offiziellen Törnteil etwas früh in der Woche ab. Während die beiden Kläuse nach Hause fahren, treibt es uns im wortwörtlichen Sinne nach Röbel. Wir wollen schauen, wie es dort jetzt, nach elf langen Jahren aussieht. Letzter Teil mit Motor! Wir ergattern trotz Besetzung eines ganzen Steges durch eine Regatta und aus den Nähten platzenden Hafen einen grünen Platz, machen eine Stippvisite in Röbel und esssen dann im Regattahaus zu Nacht.
Rückblick auf 1992:
Noch ein paar Worte zum Vergleich 1992/2003: Es hat sich einiges getan dort oben an den Mecklenburger Grosseen. In der Ferienzeit und wahrscheinlich auch dank dem aussergewöhnlichen Wetter tummelten sich jede Art und Menge Freizeitkapitäne auf den Wassern. In den Verbindungskanälen kreuzten oder überholten uns grosse und kleine Motorboote am Laufmeter. Und weil nicht nur beim Queren der Seen viel Mastlegen gefragt ist, sind die Motorboote natürlich in der Ueberzahl.
Dann mischen da noch die grossen, plumpen Häusleboote der Chartergesellschaften mit, zum Teil mit Leuten, die herzlich wenig von Seemannschaft verstehen. So fast alleine schippern wie vor elf Jahren ist nicht mehr. Auch die Häfen haben grosse Veränderungen erfahren. Plau hatte ausser einem steilen Slip eigentlich nichts zu bieten, heute ist es ein voll ausgebauter Hafen mit allem drum und dran, Kran und gut ausgebautem Slip. Klink hatte einen Holzsteg und ein Plumpsklo, heute sind es vier Stege, geschützt durch einen Wellenbrecher, und Hafenmeisterhaus mit allem Komfort.
In Sietow war gar nichts, jetzt geht ein Holzsteg auf zwei T-förmig angebaute Betonschwimmer hinaus. Das Boudoir ist auch frisch gebaut und blitzmodern.. Röbel hat vier zusätzliche Stege, einen Hafenkran und eine Hafenmeisterei bekommen.
Wir hatten auch Gelegenheit, die Marina Claassee zu besuchen. Als Charterbasis von drei Häusleboot-Gesellschaften und einer im Aufbau begriffenen Feriensiedlung war es nicht gerade das, was ich unter einem Hafen mit Seele verstehe. Der Ferien- und Charterrummel war zu gross und zu hektisch. Immerhin lagen wir dort ruhig und geschützt und bekamen auch ein anständiges Essen in der einzigen Beiz an Ort.
Wenn auch der Rummel etwas gar gross ist: Einheimische gaben uns zu verstehen, dass die Region auf den Tourismus angewiesen ist, da keine Industrie oder sonstige Arbeitsträger vorhanden seien. Das muss man trotz aller Bedenken akzeptieren. Trotzdem stört die Betriebsamkeit hie und da in einer so lieblichen Landschaft.

Hans-Peter Büsser

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