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Nachtörn in Mecklenburg Nun sind wir also in Röbel gelandet, und sind seit heute allein. Die Nachtörn-Woche beginnt also jetzt für uns, und wir sind an keine speziellen Absichten mehr gebunden. Also kramen wir unsere Wünsche aus der Wunsch-Schublade, und lassen uns dorthin treiben, wo wir etwas Schönes zu sehen hoffen. Samstag, 9. August: Röbel-Claassee 14 km Nachdem ich beim Bäcker, der im gleichen Gebäude wie der Hafenmeister eine Filiale hat, die frischen Brötchen geholt, wir diese verzehrt und dan unsere Zelte abgebrochen haben, steuern wir wieder dem Ausgang des Röbelschen Fjordes zu. Es ist wie jeden Vormittag: Der Wind hält bis High Noon an, dan sackt er zusammen. Das erinnert uns fatal an die Verhältnisse, wie sie jeweils um diese Jahreszeit an unserem Bodensee herrschen. So stellen wir nach der Hälfte wieder auf Jockel um und steuern auf etwa 170 Grad an. Das Hochkamin der ehemaligen Claassee-Werft erlaubt uns eine gute Peilung. Nach langer und heisser Fahrt treffen wir ziemlich genau die Einfahrts-Bojen. Nach einem kurzen Bad laufen wir in den Kanal ein und suchen nach einem Platz. Der schönste wäre gerade hinter der Kanaleinfahrt, wo eine kleine Ecke mit ein paar Stegen versehen ist. Dort stellen wir unser Böötchen mal vorerst ab. Leider verjagt die Büroangestellte, die die Gästeplätze verteilt, uns wieder von dort. Wir haben in einer verlassenen Charterbox zu parkieren, heisst es. Also dann. Wenn schon, dann suchen wir uns die Schönste aus, mit Seitensteg, versteht sich! Das "Käpten´s Inn" stillt unseren Durst mal vorerst, dann richten wir uns wie üblich ein. Das Kuchenbuden-Dach muss her, um uns den nötigen Schatten zu spenden. Die Bautafel auf dem Feriengelände verspricht schöne Häuser und einen langen, schönen Sandstrand. Doch leider stehen erst ein paar verstreute Häuschen in karger Sanddüne, und der Strand ist auch noch sehr mickrig. Die Kilometer, die wir laufen müssen, damit wir schwimmen können, werden uns leider auch nicht vergütet. Am Abend will Brigitte unbedingt nach Rechlin in den dortigen Hafen. Es ist zu weit, und wir kehren unverrichteter Dinge zurück. Die Karte täuscht halt über die wahre Distanz hinweg! So nehmen wir vor dem zu Bett-Gehen noch ein Eis. Hmmm, das schmeckt lecker... Sonntag, 10. August: Claassee-Bolter-Kanal 15 km Der Wind hat schon in der Nacht aufgefrischt, und als wir am Frühstück kauen, weist er schon 3 Bft. auf. Also Reffen und das kleine Föcklein. Wir wollen ja Wandersegeln, nicht regattieren. Mit dem frischen Ost ziehen wir die halbe Ostküste hoch bis zur Tonnne 32 rot . Dann scheint uns die Rückfahrt angebracht. Böiger Wind empfängt uns im südlichen Seeteil. So sind wir froh, als wir die Einfahrt des Bolter-Kanals gefunden und geentert haben. Im Kanal ist es schön windstill und schattig, nur die Bäume rauschen. Nach einer Rundfahrt wählen wir die Uferböschung in der Nähe der Ausfahrt, wo schon einige Segelboote liegen. Mit den Vorleinen gehen wir an Wurzelstäcke, hinten werfen wir den Anker ins Fahrwasser. Damit niemand hängen bleibt, konstruiere ich ein Reitgewicht aus einem Stein und einem Ende. Ich bin stolz, es funktioniert! Nun besuchen wir den Müritz-Badestrand, der keinen Vergleich mit demjenigen an der Beach in Florida zu scheuen braucht, und lümmeln uns ausgiebig in den Fluten. Anschliessend gibt es ein selbstgekochtes Menue auf der FILINE. Der Marsch Richtung Bolter-Mühle bringt uns die nötige Bettschwere, Wasser und zu Trinken finden wir aber auch hier nicht. Wieder haben wir uns in der Distanz verschätzt. Montag, 11. August: Bolter Kanal-Klink 17 km Klink ist für uns Zwischenstation auf dem Weg nach Jabel, es liegt etwa in der Mitte. Nach hälftigem Segeln zwingt uns die Flaute einmal mehr zum Motoren. so fahren wir das dritte Mal in Klink ein, um wieder die Segnungen der Zivilisation zu geniessen. Das machen wir denn am Abend nochmals bei Dagmar. Wir wiederholen das Menue mit Zahnder-Auflauf, gönnen uns noch ein Eis als Abschluss. Dabei setzt sich ein Ehepaar aus Schwerin an unseren Tisch. Sie sind gestern ebenfalls ganz in der Nähe von uns im Bolter-Kanal gelegen. Nach angeregter Unterhaltung geben Sie uns die Adresse, falls wir mal einen Törn an den Schweriner-Seen machen möchten. Dienstag, 12.August: Klink-Jabel 20 km Die Startstrecke führt uns mit achterlichen Winden bis hoch in die Binnenmüritz. Dort gilt es wieder einmal, den Mast zu legen. Nochmals fahren wir in aller Ruhe den wunderschönen Reekkanal ab. Der Kölpinsee empfängt uns mit unsteten Winden. Lange dauert es, bis wir endlich in den Jabelschen Kanal einlaufen. und der hält auch was wir von ihm gehört haben. Links und rechts hochaufragende Bäume, halb umgefallene Stämme und Wurzelstrünke, eine Traumdurchfahrt. Auch der Jabelsche See ist ein Bijou. Wieder mit achterlichen Winden, der hat inzwischen auf Südwest gedreht, rauschen wir bis zur Marina Maribell. Rasch sind wir einparkiert und geniessen dort einen kühlen Drink, das gleich nebenan liegende Standbad und den Schatten, den uns die Bäume bald auf unserem Boxenplatz spenden. Auch diesen Abend gibt¦s was aus der eigenen Küche. Das muss jeweils mindestens einmal am Törn sein, immer nur im Gasthaus futtern wird mit der Zeit auch langweilig. Mittwoch, 13. August: Ruhetag in Jabel Da es hier so schön und der Wasserplatz so geschützt ist, bleiben wir noch einen Tag. Das Wetter ist zwar noch schön, aber die Winde haben aufgefrischt und sausen den ganzen Tag mit Böen von bis zu 4 Bft. über den See. Wir baden, trinken, baden, essen Baden, trinken und geniessen das Hafenleben. Donnerstag, 14. August: Jabel- Plau 23 km Der Wetterbericht hat im Laufe des Tages Schauer und viel Wind versprochen. Daher sind wir am Ueberlegen: Sollen wir nochmals einen Tag hierbleiben oder früh losziehen? Schlussendlich entscheiden wir uns für das Zweite und tun gut daran, wie wir später feststellen. Vorerst geht´s mal über den Jabelschen See. Zwar gegenan, aber bei geringem Wellengang. Nach den ruhigen Kanälen schütteln uns aber Wind und Wellen im Fleesensee schon tüchtig durch. Wir sind froh, als wir am Gästesteg des Malchower Segelvereins Mastlegen können. Unter der Malchowerbrücke durch bleiben etwa fünfzehn Zentimeter. Dann tuckern wir friedlich die sechs Kilometer durch den Petersdorfer-See und den Lenz-Kanal, nicht ahnend, was uns auf dem Plauersee erwartet. Da bläst es mit vier bis fünf Windstärken, und wir geraten in einen richtigen Wellensalat. Nach jeder vierten Welle spucke ich Wasser aus. Die Wellenhöhe beträgt etwa 30-40 cm, also DIABOLO-Freibord. Entsprechend nass geht es gegenan, und der Motor mag gerade etwa 3 Knoten schieben. Wie sind wir froh, als wir dann in den Elde-Kanal einfahren. Dort und im Hafen deutet wieder nichts mehr darauf hin, was draussen vor sich geht. Und im Nachhinein muss ich mir eingestehen, dass das Stellen des Mastes vor der Ueberquerung des Plauersees kein Luxus gewesen wäre. So hätten wir wenigstens bei einem Versagen des Motors noch einen Hilfs-Antrieb mit dem Föcklein machen können. Nun reiben wir uns trocken, hängen die durchnässten Klamotten auf und geniessen die köstliche Ruhe im Hafen. Oben in den Bäumen rauscht es immer wieder bei Böen. Nach einem kurzen Besuch der Innenstadt essen wir im Cafe Eldebrükke. Nun sind wir doch froh, da zu sein, denn der Wetterbericht hat immer noch Starkwind am Freitag, was sich denn auch bewahrheitet. Freiteg, 15.August: Hafentag in Plau Folgende Punkte haben wir für unseren Ruhetag vor der Rückreise in die Schweiz in Plau vorgesehen: 1. Aussicht begucken auf dem Kirchturm der St.Marienkirche 2. Kurze Hose kaufen 3. Caffee trinken und Kuchen esssen. Bevor wir das abspulen, aalen wir uns aber noch im Strandbad Plau im Wasser, nachdem wir das dritte Mal einen ansehnliche Fussmarsch in die Ungewissheit gemacht haben. Nach diversen Absprachen mit dem Hafenmeister betreffs Auswassern am frühen Samstagmorgen gehen wir zum Abschiedsessen nochmals in die Fischerstube. Dort wo die Ferien begonnen haben, enden sie auch, und standesgemäss nochmals mit Fisch. Samstag, 16. August: Heimfahrt Um 07.30 Uhr auswassern, dann in zwei Stunden pakken. Das Morgenessen auf einem Bänklein einnehmen, und schon sind wir seit zehn Uhr unterwegs. Nach einem überstandenen Stau in Neuruppin ziehen wir die Fahrt in einem Mal durch, und am Sonntagmorgen um 01.15 Uhr stellen wir das Gespann auf unserem Platz ab und fallen zu Hause todmüde in unsere Betten. So ist auch dieser schöne Törn schon wieder Vergangenheit. Hans-Peter Büsser |
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