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Segeldame FILINEs Langenargener Wochenendtörn Es fing schon am Montag vorher an: Mein Skipper putzte und bastelte die ganze Woche bei jeder möglichen Gelegenheit an mir herum. Das kann nur eines bedeuten: er hat am Wochenende etwas Großes vor! Und als ich Freitagmorgens schon in aller Herrgottsfrühe Wasser unter den Kiel bekam und mit allen möglichen und unmöglichen Sachen zum Voraus schwer beladen wurde, nahm der Wochenendtörn immer festere Formen an. Ich freute mich sehr! Am Samstagmorgen bringt mein Skipper drei Schlafsäcke und drei große Gepäckstücke mit. Also Besuch. Wer kann es nur sein? Bald löst sich auch diese Frage in Wohlgefallen auf, denn Maja, das Töchterchen von meinem Skipper taucht mit Skippers Frau auf. Die kenne ich ja, die hat doch schon mal faul auf meinem Deck herumgelegen. Es eilt wahrscheinlich, denn alles geht mit großer Hast vonstatten. Mein Skipper wettert, weil er seine Regenjacke vergessen hat. Dabei hat es in meinem Bauch doch jede Menge Wetterbekleidung, ich könnte direkt mit einem Regenbekleidungsgeschäft in Konkurrenz treten. Aha, die wollen den letzten zarten Wind noch ausnutzen. Nachdem wir draußen sind, reißt mein Skipper zuerst das Groß, dann den Gennaker in die Höhe. Vor lauter Hast vertörnt sich die Gennakerleine in der Toprolle, doch dann wird mein Skipper ruhiger, und so kommt endlich auch das Riesentuch zum stehen. Nun ziehen die Segel meinen ranken Rumpf elegant vorwärts. Mal sehen, was der Kompass zeigt. 30 - 40°, das heißt, entweder Ziel Kressbronn oder Langenargen. Bei der Vorliebe meines Skippers tippe ich eher auf Langenargen. Recht geraten! Nachdem ich eine Weile von meinem neuen, rassigen
Kollegen, dem Yamaha 4 PS vorwärts gestoßen worden bin,
zeigt sich in der Nähe des deutschen Ufers wieder Wind.
Zielstrebig wird mein Steuerruder herum gerissen, und mein schlanker
Bug zeigt genau auf das Schlösschen Montfort. Nun breiten die beiden Frauen auf meinem mit Damast bedeckten Lukdeckel ein Gelage aus, und die Drei essen sich an verschiedenen Genüsslichkeiten satt, während ich beigedreht still an der deutschen Küste vor mich hin dümple und zuschauen muß. Anschließend gibt mein Skipper wieder dem Motorkollegen die Sporen, und wir ziehen unbeirrt der Hafeneinfahrt entgegen. Im Hafen selber geht dann meinem Schieber die Puste aus. Mein Skipper muß auf den Außentank umschalten, und mit Hilfe der wiedergewonnenen Puste suchen und finden wir eine wunderschöne Box, die genau für mich gemacht zu sein scheint, und an dem meine Passagiere ohne Probleme seitlich aussteigen können. Etliche Probleme scheinen meine Leute aber mit der großen Hitze zu haben. Während der Skipper meine unordentlichen Innereien noch aufräumt und mit Maja meine Kuchenbude aufstellt, ist die Skippersfrau schon im Schatten verschwunden. Anschließend entfernen sich die drei Richtung Strand, und ich sehe sie wie tote Fliegen in das Gras unter einem schattigen Baum sinken. Fortan bringen sie die Tageshitze mehr liegend, keinen Mucks machend und nichts sprechend hinter sich. Selbst als sie wieder zu mir zurückkehren, habe ich von ihnen keine Unterhaltung zu erwarten. Und anschließend, als sie wieder einmal den Mund aufmachen, geht es nur um die Frage: wo essen und trinken wir? Bald verschließen sie mich und machen sich auf den Weg. Sie wollen ins Restaurant Jägerhaus auf der Kressbronner Seite. Da ich aber gehört habe, daß die Brücke dem Hochwasser zum Opfer gefallen sei, werden sie wohl kaum hinüber kommen. Und im Schuppen 13 haben sie wohl auch keinen Platz mehr gefunden, denn plötzlich sehe ich die Drei wieder auf der Terrasse des Cafés Malereck auftauchen und auch gleich absitzen. Es scheint ihnen dort zu gefallen. Sie essen lange und ausgiebig, machen sehr zufriedene Gesichter, schlürfen noch einen feinen Kaffee und essen ein Dessert hintendrein. Und als ich schon denke, daß das nie mehr endet, stehen sie doch wieder auf und machen sich noch in Richtung Langenargen davon. Vermutlich werden sie noch ein bißchen über Sachen plaudern wollen, die ich nicht zu wissen brauche. Auch den schönen Sonnenuntergang, den ich zwischen zwei Zweigen eines großen Baumes gerade noch so erahne, wird sie dort erfreuen. Nachher fummeln sie noch die längste Zeit in meinen Eingeweiden umher, suchen Schlafsäcke und Kulturbeutel, rennen auf´s Klo. Doch jeder Tag hat einmal sein Ende, und so höre ich plötzlich von Überall her nur noch schnarchen und schnaufen. Morgens um Halb Neun! Ich denke schon, daß meine Leutchen wahrscheinlich kaum vor elf Uhr zu sehen sein werden heute, denn es bewegt sich absolut nichts. Doch, jetzt dreht sich der Skipper, sucht seine Brille, springt aus dem Schlafsack und eilt zur Toilette. Die anderen zwei dösen wie gehabt. Doch potz Blitz, bei seiner Rückkehr macht der Skipper eine gelungene Weckrunde, und darf dann dafür zur Belohnung gleich das Morgenessen machen. Das scheint ihm aber egal zu sein, er ist schon wieder von einer gewissen inneren Unruhe befallen. Das Frühstück ist schon bald zu Ende, als es dem Skipper einfällt, daß er ja sein Käsebrot zu essen vergessen hat. Und so kann er sich während des Abwaschs der Skippersfrau gleich noch besagtes Brot samt einem zweiten Frühstückskaffee einverleiben. Dann aber geht es hurtig. Alle drei krabbeln auf mir herum, versorgen das Zelthaus, machen meinen Antriebsgenossen und die Segel startklar, befreien mich von meinen Fesseln und treiben mich zum Hafen hinaus. Doch alles Hetzen nützt heute nichts, das wichtigste Antriebs Element für mich fehlt. So kommt zur Hauptsache mein Benzin trinkender Kollege zu seinem starken Auftritt. Mit einem Eifer sondergleichen arbeiten seine eisernen Muskeln und treiben mich und meine Passagiere in eineinhalb Stunden Über die breiteste Stelle meines Heimatgewässers. Das habe ich ja sehen kommen: wie gestern machen die Drei kurz vor dem Ufer Halt und das obligate "Tischlein deck Dich". Derweil darf ich mit dem zarten Häuchlein, das jetzt doch zu spüren ist, Richtung Bad Horn ziehen. Nochmals werden alle nackten Hautteile meiner Mitbewohner eingeschmiert, um ja nicht zu rot zu werden. Denn die Sonne sticht erbarmungslos hernieder. Hart für die Skippersfrau, die sich wegen Rückenschmerzen nicht mehr ins Wasser getraut. "Mister Yamaha" darf kurz vor dem Hafen nochmals zeigen, was er kann. Er dirigiert mich sachte in die Heimatbox im Rietli, wo ich wieder wie Üblich gefesselt werde, damit ich mich nicht plötzlich wie der Pinoccio im Märchen selbständig machen kann. Aber was ist denn das? Da kann Ich nur mein Rigg schütteln! Kaum bin ich recht fest- und ein bischen zuwege gemacht, stürmen die Drei Richtung Clubhaus, mich meinem Schicksal überlassend. Dort breiten sie nochmals alle eßbaren Herrlichkeiten vor sich aus, genießen den See im Schatten und lassen mich an der unbarmherzigen Sonne braten und mich langweilen. Mein Skipper ist es dann, der nochmals besorgt bei mir vorbeischaut, mich pflegt und füttert, bevor auch er endgültig verschwindet. Ich habe meine Pflicht getan und träume von weiteren Heldentaten. Ich habe nämlich zufällig letzthin den Skipper zu der Skippersfrau sagen hören, daß in vierzehn Tagen der Aufbruch zu neuen Ufern, sprich der Flensburger Förde stattfinde, und das gleich vierzehn Tage lang. So etwas! Wie ich mich freue! Eure FILINE
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