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Es war ein ungemein erlebnisreiches Wochenende, das ich mit Herrchen und Frauchen erleben durfte. Das erstemal notabene, seit mein Skipper an meinen Wunden herumgeschnipselt und mir im vorderen Teil und bei der Kajüte ein neues Outfit verpaßt hat. Kummer hat er mir aber erneut gemacht: Weil er mich am Vorsonntag nicht sorgfältig genug aus dem Wasser zog, besaß ich bereits wieder zwei "falsche Lenzklappen" am Rumpf! Ich wußte es schon! Er aber ist ganz entgeistert, als er mich am Freitagmorgen voller Vorfreude ins Wasser setzt und zum Hafenplatz fährt. Ein Blick in die Bilge. Verd..., so viel Wasser, woher kommt denn das? Es ist ein Albtraum, den Herrchen wohl nie mehr los wird: Immer wenn er denkt, daß ich absolut trocken sei, rinnt wieder irgendwo an meinem Rumpf ein Rinnsal ins Innere. Diesmal sieht er wenigstens die Einbruchstelle auf den ersten Blick. Mit dem berühmten Unterwasser-Epoxi, den er schon während des Törns eingesetzt hat, rückt er mir auf den Leib. Es hilft, aber nur beschränkt, weil der Kitt dauernd durch den Wasserdruck abgehoben wird. Nur soviel zum Thema Wasser. Sonst ist es angenehm wie immer. Nach den Vorbereitungen meiner Segelgarderobe geht es mit einem maroden Zweier Richtung Arbon. Im Hafen Horn-West ist dann unser Schiffs-Morgen angesagt. Meine beiden Insassen verteilen schön gleichmäßig Konfitüre, Käse, Kaffee und Brosamen in der Plicht und auf dem als Tisch mißbrauchten Backskistendeckel. Als auch diese Pein vorüber ist, darf ich wieder meine Textilien fächeln. Aber was ist denn das? Das von mir am meisten gebrauchte Element versagt mir je länger desto mehr den Dienst. So bleibt meinen Mitstreitern auf dem Rücken nur die Alternative Wasser: Dreimal stürzen sie sich in die Fluten, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen. Der anschließende Wegteil ist zwangsläufig für den "Brummi" reserviert. Meine Nase wird Richtung Südwest gedreht und findet bald einmal die Einfahrtsbaken zum SBB-Hafen in Romanshorn. Da muß ich erstmal im Hafen herumkurven, bis Herrchen den geeigneten Platz für mich gefunden hat. Und der paßt ihm plötzlich nicht mehr, denn er sieht einen noch besseren. Kurzerhand muß ich nochmals zur schützenden Box raus und eine noch Geschütztere anlaufen. Endlich komme ich zur Ruhe und darf meinen "Nachtanzug", die Kuchenbude, überstreifen. Als dann aber beide Insassen in schöne Kleider schlüpfen, ahne ich Schlimmes. Tatsächlich eilen sie zum Bahnhof und sollen, so höre ich später, ins dreißig Kilometer entfernte Weinfelden zu einem Familienfest gefahren sein. Auf jeden Fall warte ich geschlagene sechs Stunden, bis sie wieder auftauchen. Bevor sie auf meinen bequemen Polstern liegen können, müssen sie allerdings meinen Bauch zuerst entwässern. Geschieht dem Skipper ganz recht, warum geht er so unsorgfältig mit mir um! Am anderen Morgen sieht es düster aus! Meine beiden Insassen können gerade noch auf´s Klo rennen und die Brötchen holen, dann stürzt das Wasser auch schon von oben auf mich hernieder und mein "Schlafanzug! wird ganz naß. Wenigstens hält das die Nässe von Frauchen und Herrchen fern. Die sind schon wieder gemütlich am Futtern und verteilen... siehe Samstag! Weil das Wasser immer noch vom Himmel rinnt, legen sich doch die faulen Zwei einfach wieder in die Koje und ich langweile mich einmal mehr kläglich. Mittag - es klart auf! Nun entfalten meine Insassen eine rege Tätigkeit und machen mich startklar. Scheinbar wollen sie so trocken wie möglich nach Hause kommen, denn der Radio hat noch mehr Himmelswasser angesagt. Und schon steht meine Garderobe wieder und zieht uns Richtung Arbon. Nun, dieses Arbon scheint es in sich zu haben. Auch diesmal geht uns auf der Höhe dieser Ortschaft der Wind verloren. Und da Herrchen im Westen dunkle Regenwolken auffahren sieht, stellt er den Jokel auf Vollgas. Eine halbe Stunde später laufen wir im Goldacher Hafen ein. Wie schön, wieder zu Hause zu sein! Auf gutes Zureden von Frauchen macht Herrchen dieses Mal ganz vorsichtig beim Herausnehmen. Er schaut auch sofort nach meinen "Wunden" und stellt fest, daß weiter vorne noch eine Delle vorhanden ist. Die will er dann diese Woche gleich tip-top flicken, verspricht mir der Skipper. Die Regentropfen fallen bereits wieder, als Herrchen mich nach dem Ausräumen mit der warmen Persenning zudeckt. Und es gießt wieder in Strömen, als sie nochmals meinen Leib betrachten, um auch sicher zu sein, im Moment alles für mich getan zu haben. Herzlichst Euere Filine & Hans-Peter Büsser |