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Berlin
zum Zweiten Es
ist wie jedes Jahr: Die Alltags-Arbeit beherrscht einen! Malochen,
Vereine, Fernsehen, alles immer schön nach genauem Zeitplan und
Ablauf. Nicht viel Neues, dem alltäglichen Zwang unterworfen. Doch
einmal im Jahr, in den ersten Augustwochen, da darfst Du ausbrechen,
alles hinter Dir lassen, ein Zigeunerleben auf dem Wasser führen,
Deine Bootsfreunde wiedersehen. Da kommt der Tag, an dem Du früh am
Morgen nach den letzten hektischen Details im Hause den Trailer
ankuppelst, und los gehts. Deine alltägliche Identität
verschwindet nach den ersten Kilometern im gedanklichen Nebel, Deine
neue Zigeuner-Identität nimmt von Dir Besitz. Erste hundert
Kilometer, dann gemütlich in der Raststätte frühstücken.
Weiter, weiter!Je näher das Ziel kommt, desto freudiger die Erwartung. Bereits bei der Ankunft, beim Wassern und beim Ueberführen spürst Du die ferienhafte Stimmung, begrüsst Deine langjährigen und neuen Törngenossen. Alles ist wieder wie immer, der Alltag ist weit, das kleine Abenteuer Wanderfahrt mit all seinen kleinen Unabwägbarkeiten beginnt. Das sind die tollen Diabolo-Tage auf dem Wasser, von denen wir dann wieder zehren und uns daran zurückerinnern, ehe es in einem Jahr wieder losgeht! Törn im Dreieck Caputh-Ketzin-Wannsee Samstag, 31. Juli: Um halb fünf Uhr früh - wie immer in den letzten Jahren - starten wir noch bei Dunkelheit. Das Gespann ist fertig vorbereitet, sodass wir nur einsteigen und losfahren können. Wie immer auf dieser Route der A9 gibt es in der Raststätte Lonetal Frühstück, dann Weiterfahrt Richtung Nürnberg. Die ehemalige Grenzstation Hirschberg ist bald erreicht. Hinter Hof gibt´s Schwierigkeiten. Unfälle und Fahrbahnverengungen zwingen uns immer wieder zu stockendem Kolonnenverkehr, sodass wir viel Zeit verlieren. Vor Niemengk ist es dann endgültig fertig: Wir fahren von der Autobahn und ein Stück über Land, erwischen holperige Strassen und fabrizieren beinahe einen Unfall. Dem jungen "Schnuufer", dem wir für seine angeblich zerschlagene Felge Geld geben sollen, halten wir so lange hin, bis es ihm verleidet und er uns unbehelligt ziehen lässt mit Guten Wünschen für die Ferien. Etwas ramponiert kommen wir in Caputh an und suchen das Gelände des Herrn Lechler. Es ist dasselbe Dreckloch, bei dem wir es vor vier Jahren abgelehnt haben, uns auswassern zu lassen. Der Besitzer hat inzwischen gewechselt und wir hoffen auf gnädige Bezahlung. Wir sollten uns täuschen! Der Halsabschneiderpreis von 64.- rechtfertigt sich auf keinen Fall: Verlottert und überwuchert wie eh und je bieten sich die Anlagen dar, es scheint nur darum zu gehen, möglichst viel Geld einzunehmen. Auf diese Weise schafft man sich keinen treuen Kundenkreis. Anschliessend, nach der herzlichen Begrüssung der anderen Crews, die auf dem Gelände auf uns gewartet haben, geht´s Richtung Schwielowsee. Bei der Fähre vorbei, unter der Eisenbahnbrücke durch. Von Ferne grüsst die Baumgartenbrücke, die Mauern der Hafeneinfahrt sind von hier aus gut sichtbar. Alles ist noch wie vor vier Jahren. Die Traumeinfahrt scheint etwas gelichtet, ist aber immer noch zauberhaft. Wir ziehen in den kleinen Hafen mit seinem Backsteinhäusschen ein, wie wenn nichts geschehen wäre. Ueberwältigende Gefühle! Sonntag,
1. August:Horst ist am Vorabend noch angekommen, hat sein Gespann beim Lechler abgestellt und seinen Wohnwagen im Park platziert. Nun fahren wir zum Wassern an den See. Den ganzen Vormittag richten wir Horst´s Diabolo ein. Während ich den Trailer zurück zum Caputher Hafen fahre, überführt Horst sein Boot, wir sind nun komplett! Der Törn kann beginnen. Eigentlich freute ich mich schon den ganzen Tag: Abends Wiedersehen mit dem Märkischen Gildehaus zu feiern bei einem feinen Abendessen. Denkste! Als wir, zugegeben mit halb zehn etwas spät, dort ankommen, hat der Koch schon Feierabend gemacht, die Kellnerin verweist uns an den Gasthof Schwielowsee. Dort bekommen wir trotz später Stunde noch ein komplettes Abendessen, was sich für den Wirt für den Rest der Törnzeit positiv auswirken sollte! Montag, 2. August: Endlich kann´s losgehen! Erst mal frühstücken wir gemütlich nach einem obligatorischen Morgenbad (nur Büssers!), um nachher zuerst das Essgeschirr und dann die Boote zu klarieren. Einer nach dem anderen fahren wir gegen zwölf Uhr aus dem Schutze des Traumhafens Richtung Baumgartenbrücke. Zwecks Unterquerung von drei Brücken auf dem Weg zum ersten Hafen, Ketzin, legen wir die Masten gleich. Bis auf einen (Glade) haben alle eine provisorische Mastlegevorrichtung mit Leinendreieck und Jütbaum gebastelt, und können daher ihre Masten problemlos in kurzer Zeit fieren und holen. Sogar Segelstehenlassen ist möglich! Nach der Eisenbahnbrücke, ungefähr nach der Hälfte des Weges, starten wir die Segelei. Etwas mühsam, da die Havel bis zum Sacrow-Paretzer-Kanal sich ständig zwischen Nord und West hin und herschlängelt. Aber wir schaffen es! Ab dem Kanal ist dann Schluss, weil es genau in die Windrichtung geht und die Havel schmal wird. So schlagen wir die Segel ab und tuckern friedlich und gemeinsam hinauf bis zum Hafen des Seesportclubs Ketzin. Der dort anwesende Hilfshafenmeister hat uns erst am anderen Tag erwartet und kommt für die Einordnung unserer Schiffe etwas ins Schwitzen. Aber schlussendlich sind alle mit einem Plätzchen versorgt, die Anlagen besichtigt und für gut befunden. So gehts ans Klarieren, Putzen, Duschen und sich für den Landgang fein machen. Nach einem längeren Fussmarsch, der nur unseren Hunger steigert, finden wir eine unscheinbare Spelunke. Doch hie und da täuscht sowas: Das Essen ist wirklich fein, das Zusammensitzen unter den Bäumen bei lauem Abend gmütlich und friedlich. So lässt es sich gut Ferien machen. Dienstag, 3. August: Der Seesportclub Ketzin bietet uns einen ähnlichen Unterstand zum Morgenessen wie seinerzeit in Dingelsdorf und in Wilhelmshafen am Bodensee. So sieht man denn am Morgen männiglich Esskisten, Gasbrenner und Geschirr zu diesem Plätzchen schleppen. Gemeinsam wird hier das Morgenessen eingenommen, worauf es im gleichen Stil wie am Vortag abläuft: Küchendienst, Bootsdienst, Ausfahren. Heute geht´s über den Sacrow-Paretzer-Kanal und unter einer Brücke durch nach Marquardt. Doch leider darf man auf dem Kanal nicht segeln, sodass wir nur die ersten paar Kilometer zuerst mit halbem, dann mit raumem Wind dahinziehen. Beim Kanal legen wir dann gleich die Masten und tuckern dann, alle fünf in Rufweite, den Rest über den Kanal. Leider nicht unbedingt das Non-plus-Ultra für einen Segler, aber was soll´s? Gert hat uns empfohlen, auf dem Schlänitzsee nach der Brücke noch ein wenig zu segeln. Das scheint keinen von uns gross anzumachen, denn der See ist recht klein und wäre mit zwei, drei Schlägen schon ausgelotet. Daher zielen alle auf die Angler-Steganlage und fieren ihre Schwerter und Ruderblätter. Im Bereich des Steges ist die Wassertiefe nähmlich nur noch knapp einen Meter oder weniger. Nachdem wir in die doch recht kleinen Boxen eingefädelt haben, beginnt ein geruhsames "Zigeunerleben". Es wird gebadet, gequatscht und getrunken. Brigitt und ich zerschneiden uns beim Baden noch die Zehen an messerscharfen, muschelbewachsenen Steinen. Später wird in Marquwardt eingekauft und gleich noch der "alte Krug" ausgekundschaftet. Heute Abend wollen wir zum Dank für das Gastrecht am Steg den Wirt und Vorsitzenden des Anglervereins bereichern. Zudem wird als Geschenk der Klassenvereinigung das Abendessen und das Morgenessen gespendet. Einmal was Anderes als Badetuch oder Kappe und ähnliches. Das Nachtessen ist wirklich fein. Unsere Gruppe ist unterdessen auf zehn Personen angewachsen, denn Christel, des Berliner-Gert´s Frau, ist nun auch zu uns gestossen und wird bis Ende Törn am Freitag dabei sein. Sogar Toilette machen dürfen wir noch im Hotel, bevor wir in unsere Schlupfkajüten einsacken. Mittwoch, 4. August: Aufstehen und Verrichtungen wie gehabt, mit einer Ausnahme: Wir essen wie gestern gehört im alten Krug, der Abwasch entfällt für einmal. Da bei der Fahrt im Kanal gleich drei Brücken folgen, lassen wir den Mast in die Gabel fallen und motoren durch bis zum Cäcilienhof beim Jungfernsee. Dort heisst es fleissig Maststellen, Segelsetzen und Richtung Nordosten segeln. Unser Ziel ist der berühmte Berliner Wannsee. Segeln ist gut: Heute ziehen wir den einzigen windfreien Tag ein. Bei der Pfaueninsel ist endgültig Schluss, der Wind will nicht mehr! So werfen wir halt wieder einmal die Motoren an. Unser Neuling, Johann, legt sich noch mit der Wasserschutzpolizei an. Die wollen ihn mangels gültiger Kennnummer zu einer Busse verknurren und ziehen das Geld sofort ein. Als sie hören, dass in Italien eine Kennzeichnung nicht nötig ist, klären sie das ab. Es stimmt, das Geld kriegt er aber trotzdem nicht zurück. Mit der Begründung, dass er eine Erlaubnis bei der Waschpo für das Befahren dieser Gewässer einzuholen hätte. Nach dem Törn 2000 also schon wieder Probleme mit den Bullen! Der Wannsee ist für mich eine Enttäuschung: Viel zu viele Boote und am Scheitel der Bucht eine Unzahl Hafenanlagen. Unruhe, wohin man sieht. Die vorbildliche Wasch- und Duschanlage des Nixehafens mag das nicht ganz zu kompensieren. Essen gehen wir auf Anraten des Einheimischen Gert in der Stadt Berlin. S-Bahn nehmen, zum Zoo fahren, dort in einem Beizenquartier in einer Griechenbeiz zu Nachtessen. Es geht etwas harzig, der arme Wilfied bekommt sein Essen erst, als alle Andern schon zufrieden zurücklehnen. Donnerstag, 5. August: An diesem Morgen verlassen wir nach dem ersten z´Morgen auf dem eigenen Schiff diese ungastliche Stätte am Wannsee bei böigen Winden aus Ost. Der Wind hat also gedreht und verspricht uns weiterhin schönes Wetter, da sich ein Hoch über der baltischen See festgesetzt hat. Segeln
ist angesagt bis zur Glienicker-Brücke. Mit halbem bis Am Wind
rauschen wir im flotten Tempo bis dorthin. Die Glienicker-Brücke
ist ja während des kalten Krieges bekannt geworden durch den
Austausch von Ost- und Westspionen.Nun heisst es halt schon wieder Mastlegen. Während Horst, Wilfried und ich die ganze Strecke bis Caputh durchfahren mit gelegtem Mast, fangen die anderen zwischen Potsdam und der Templiner Eisenbahnbrücke schon wieder mit Segeln an. Zuerst aber geht noch die Fahrt an der grossartigen Kulisse von Potsdam vorbei in die Vorderkappe, wo die Bootswerft Marchot zuhause ist. Gert will dort einen Slip zum Auswassern anschauen. Auskunft: Es ist möglich für einen relativ günstigen Preis. Nachteil: Es ist von Caputh aus relativ weit nach da oben. Nach der Templiner Eisenbahnbrücke müssen wir wieder mal ein Bad nehmen, denn die Wärme ist trotz Wind beträchtlich, in diesen Tagen ständig zwischen 28 und 32 Grad. Von Weitem sehen wir ein gelbes Gebäude. Wir vermuten darin das Schloss Caputh, wo wir heute Abend unsere Jahresversammlung abhalten werden. Wie sich später herausstellt, ist es das Restaurant Gutshaus indem wir tagen. Nach dem Maststellen im Schwielowsee vergnügen wir uns noch mit ein paar gesegelten Schlägen, bevor wir in unseren Heimathafen zurückkehren. Das Traumhäfelchen hat uns wieder! Am Abend treffen wir uns im besagten Gutshaus und tagen. Für mich das Wichtigste ist mein Rücktritt, der nach anfänglichem Widerstand seitens der Mitglieder akzeptiert wird. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig. Noch ein Wort zum Essen: Wegen diesem hätten wir nicht hieher kommen müssen. Zwar ist die Ambiance des Saales gediegen und nobel, das Essen hält aber gar nicht, was es verspricht. Nun, es kann auch nicht immer alles genau aufgehen, und wir tragens mit Fassung und freuen uns schon aufs Nächstemal im Restaurant Schwielowsee! Freitag,
6. August:Heute ist letzter offizieller Törntag! Und die Diabolisten rüsten alle zum grossen Race um die "Kanne der Diabolos", die auf einem Dreieck mit natürlichen Tonnen des Schwielowsees stattfindet. Zuerst aber ist mal wieder Frühstück und Baden angesagt. Dann zur Mittagszeit, ist der Wind dermassen stark und böig, dass wir noch etwas zuwarten. So um vier Uhr geht´s dann los. Immer noch, vor allem bei der grünen Tonne vor der Eisenbahnbrücke, rauscht der Wind sehr böig daher. Er wird dort von Nordosten her wie durch eine Düse gelenkt und pfeifft unter der Brücke durch daher. So starten wir auf das Hornzeichen von Regattachef Gert und ziehen wie an einer Perlenkette Richtung Brücke. Nur mit Mühe gelingt es uns, in dem böigen, abgelenkten Wind die Tonne zu umrunden. Der Rest, der dann halb-bis achterlichen Wind bringt, ist angenehmer. Zweimal fürfen wir das machen, dann steht die neue "Tucan" mit Johann und Peter als Sieger fest. Wir mit unserem kleinen Föckli verschlägt es auf die letzte Position. Das macht nichts, Hauptsache mitgemacht und Spass gehabt. Des Abends gibt´s ein Grillfest und die Rangverkündigung. Johann entführt die Kanne der Diabolos in den tiefsten Süden, nämlich nach Naturns im Südtirol. Dort ist sie bis nächstes Jahr sicher gut aufgehoben. Nachtörn-Woche: Stationär mit Ausflügen Samstag, 7. August: Eigentlich sind die Diabolo-Ferien noch gar nicht so richtig zu Ende, denn nur Zwei packen ein. Gert und Christel fahren noch am selben Abend nach Berlin in ihr Heim zurück, und Wilfried und Heike verabschieden sich am Samstag ebenfalls. Wir, das heisst, die Büssers die Fischers und Johann, geniessen den Samstag einfach mit Faulenzen, Baden, am Abend nochmals etwas Segeln, und zum glücklichen Abschluss verwerten wir die Resten des üppig eingekauften Grillfleisches vom Vorabend mit Reissalat und vielen leckeren Zutaten. Satt fallen wir danach in unsere Kojen. Sonntag, 8. August: Am Sonntag nach dem Morgenessen machen Johann und wir uns auf den Weg nach Potsdam. Das haben auch die Fischers im Sinn, nur wollen sie mit ihrem Wohnmobil los, denn nachher wollen sie noch irgendwo in Ostberlin zu einem Bekannten. Wir machen uns mit dem Bus auf nach Potsdam. Dort angekommen, schlendern wir durch die Shopping-Passage des Bahnhofs und auf der anderen Seite wieder hinaus, über die Brücke Richtung Innenstadt. Dort besuchen wir wie vor vier Jahren die berühmte Brandenburger Shoppingstrasse, kaufen beim Chinesen ein Paar Hosen für zehn Euro (mehr wert sind sie auch nicht!). Nach dem Ablaufen dieser gehen wir in ein schattiges Gasthaus und essen dort eine Kleinigkeit. Den Dessert gegenehmigen wir am Inselcaffee auf der Potsdamer-Havelinsel. Müde vom Umhertrotten verschieben wir uns wieder zum Bahnhof, merken, dass wir irrtümlich den Werktags-Fahrplan gelesen haben, und warten darum fast eine Stunde auf unseren Bus. Doch endlich ist er da, und wir hottern über die verlotterten Strassen dem Templinersee entlang nach Caputh. Nachher treffen wir uns wieder im Speiseschuppen zu Schwielowsee von Aperitiv bis Nachtisch. Montag, 9. August: Wieder weckt uns schönes Wetter, was uns zum morgentlichen Bad und anschliessend zum gemütlichen Morgenessen treibt. Danach ist eine Einkaufstour in den Caputher-Supermarkt Edeka fällig, um unsere Vorräte zu ergänzen. Die Zeitung darf auch nicht fehlen. So verbringen wir die Zeit, bis dann am späteren Nachmittag die obligate Fahrt auf dem Schwielowsee fällig ist. Dank dem schönen Wind reichts bis zur grünen Tonne in Ferch. Runden, dann zurück. Wie schön, nichts als Wasser und Sonne und Wind. Und Abends.............. Dreimal dürft ihr raten!!! Dienstag, 10. August: Nach unserem obligaten übergemütlichen Z´Morgen geben wir uns der Musse hin. Johann ist Richtung Berlin abgedüst, um Bootszubehör zu posten und sich Berlin etwas anzuschauen. Am Mittag besteigen wir unsere schwimmenden Untersätze und machen uns auf Richtung Ferch. Es ist mir nämlich eingefallen, dass es in der Südwest-Ecke ein Gasthaus hat mit Gäste-Anlegesteg. Also auf zum Kaffee mit Kuchen! Und das "Haus am See", wie´s heisst, verwöhnt uns tatsächlich mit Palatschinken, Patisserie und köstlichem Kaffe, während am Strand unten unsere beiden Boote wartend vor sich hin dümpeln. Im wieder zügig wehenden Oster geht´s mit Rauschefahrt zurück zum Hafen.. Unterdessen ist Johann wieder aufgetaucht und heftig am Montieren seiner eingekauften Beschläge. Vor allem die tolle Teleskop-Pinne sticht in die Augen. Ich darf´s schon gar nicht mehr laut sagen: Auf zum Gasthaus Schwielowsee! Mittwoch, 11. August Nachdem ich das Gejammer von Horst über den Abzocker von Caputh schon nicht mehr hören kann, beschliesse ich, etwas dagegen zu tun. So mache ich mich mit Brigitte nach dem Morgenessen auf, nach geeigneten Slips in der Gegend zu suchen. Auf meiner neu gekauften Karte habe ich Vermerke gefunden, die Slipanlagen aufzeigen. Denen wollen wir nun nachgehen. Vorerst kurven wir um den Schwielowsee, obwohl ausgerechnet an diesem kein Slip eingezeichnet ist. Doch hoffe ich immer noch, in Ferch etwas zu finden. Das wären dann etwa fünf Kilometer von unserem Hafen aus. Leider Fehlanzeige! So fahren wir weiter, an die Gestaden des Templinersees, wo wir eher per Zufall bei der Eisenbahnbrücke einen Verein mit Slipanlage finden. Der Wassersportverein Pirschheide e.V. bietet uns für 15.- Euro einen tadellosen Slip. Einzige Bedingung: Wir müssen den Zeitpunkt unserer Auswasserung so genau wie möglich angeben. Das machen wir denn auch, und fahren mit der frohen Kunde zurück zu unseren Kumpels im Caputher Hafen. Da Johann sofort mitzumacht, fahren wir am Nachmittag nochmals hin. Die Abklärung nach einem ungewollten Essen gegenüber der Insel Werder ergibt: Alles im grünen Bereich. Unsere Lieben zuhause machen sich schon einige Sorgen, wo wir verblieben seien. Aber keine Angst, wir gehen schon nicht so rasch verloren. Mit Segeln ist natürlich an diesem Abend nichts mehr, um so mehr als sich der Schwielowsee als absolut spiegelglattes Gewässer zeigt. Donnerstag, 12. August: Für uns Büssers ist heute ein Besuch von Berlin angesagt. So machen wir uns frühmorgens fast ohne Essen auf den Weg, denn wir wollen im berühmten Cafe Kranzler in der Berliner Innenstadt frühstücken. Das gelingt denn nach ausgibigem Studium und danach folgendem Kreuz-und Querfahren mit S- und U-Bahn. Nur etwa hundert Meter vor dem Kranzler kommen wir aus der Tiefe der U-Bahn und steuern zielbewusst auf das Gebäude zu. Tatsächlich besteht das Kranzler immer noch, nur hat es sich verkleinert und in die oberen Räume des Gebäudes zurückgezogen. Aber das reichhaltige Frühstück auf dem sonnigen Balkon geniessen wir und schauen belustigt dem hektischen Treiben auf den Strassen Berlins zu. Anschliessend gibt´s ein Sigth-Seeing Berlins mit folgenden Stationen: Walking auf dem Kuh´damm, U-Bahnfahrt bis zum Potsdamer-Platz, Taxifahrt bis Brandenburger-Tor, Marsch bis zur Siegessäule, Rad-Rischkafahrt zurück zum Brandenburger-Tor. Dann folgt der abschliessende Marathon-Fussmarsch bis zum Alexanderplatz, unterbrochen nur von einem feinen Eis im Schatten eines Innenhofs. Dann haben wir genug von Berlin und fahren mit der S-Bahn und dem Bus wieder zurück nach Caputh, wo wir wie die verlorenen Söhne und Töchter wieder empfangen werden Abends gibt uns Gert im Garten des Restaurants Schwielowsee nochmals die Ehre. Freitag,
13. August:Heute ist grosser Auswasserungs-Termin. Johann ist schon am Vormittag dran. Damit alles seine Ordnung hat, fahre ich mit seinem Gespann zur Pirschheide, hintendrein Brigitte mit unserem Wagen. Johann tuckert unterdessen die drei Kilometer den Templinersee hinauf. Das Auswassern gelingt einwandfrei, und schnell müssen wir zurück, da Horst am Nachmittag auch noch dran ist. Damit er sein Wohnmobil nicht unnötigerweise hin-und herchauffieren muss, hängen wir den Trailer an unser Auto und laden das Boot in der Pirschheide auf. Da er ja eine Landschlafstätte hat, kann er noch bis Samstag bleiben. Wir hingegen können erst Samstags auswassern, weil wir ja noch das schwimmende Haus zum Uebernachten brauchen Samstag, 14. August: Der Abschied naht: Die Fischers müssen nur noch Frühstücken und aufräumen und sind dann bald verschwunden. Ich habe die unangenehme Pflicht, das Boot abzutakeln. Während Brigitte sich mit dem Gespann über die Fähre nach Pirschheide absetzt, mache ich als Letzer der Diabolisten die Wasserfahrt und kann nun auch die Annehmlichkeiten des tollen Slips zu moderatem Preis geniessen. Doch nun geh´s los mit der langen Reise, die wir auch dieses Jahr in einem Mal durchziehen. Wir werden noch von einigen Wolkenbrüchen begleitet und erreichen Goldach spätabends um 23.55 Uhr. Damit ist auch der zweite Berlin-Törn bereits Geschichte. Hanspi |