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Sonntag 18. Juli 1999: Zwischen den monströsen Bauwerken eines Trockendocks und preussisch martialischen Backsteinkasernen laufen wir am Sonntagabend in die Flensburger-Innenförde ein. Die Besatzung der GOLIATH folgt den Anderen, ohne zu wissen, wo´s langgeht. Mal wieder nicht aufgepaßt beim Briefing. Lange sind wir der Auffassung, die Flotille vor uns würde demnächst wenden und einem Liegeplatz am grünen Ufer zustreben. Aber nein, auf der Höhe des Schornsteins der Flensburger Stadtwerke gehen die ersten Segel runter und kurz darauf erblicken auch wir den bis dahin hinter einem riesigen Gastank verborgenen Yachthafen Galwick. An perfekter Steganlage finden alle Boote Platz und man kann einen Blick in die Runde wagen. Eine Reihe aneinanderklebender Bootshäuschen verdeckt mit Hilfe eines bewachsenen Zaunes den freien Blick auf´s Kraftwerk. Schornstein und Gastank sind aber nicht zu Übersehen. Ebensowenig wie die Rangierlok hinter dem Zaun zu Überhören. Aber die kommt nicht so oft. Auf der Südseite dieser kleinen Bucht schließt sich noch eine Edelstahlschmiede an. Weiter hinten im heißen Dunst kann man weitere Backsteinkasernen ausmachen, die mit langen und leeren Kaimauern die Förde auf dieser Seite einfassen. Gegenüber wird das Ostufer ebenfalls von endlosen Kaimauern eingefaßt. Beton und Backstein bilden hier das Baumaterial für die alten Speicher- und neuen Silogebäude. Wo beide Kaimauern zusammen zu treffen scheinen, sieht man den Kirchturm von Flensburg. Flensburg soll ein schönes Städtchen sein. Diese Hoffnung und der Durst treiben uns bald aus dem Yachthafen. Über die sonnenbeschienenen Gleise der Rangierlok marschieren wir tapfer einem nicht genau ausgemachten Führer hinterher. Die öde Vorortstrasse ist von schmucklosen, zuweilen häßlichen Gebäuden eingerahmt. Vorbei an der "Roten Laterne", die auch schon bessere Zeiten gesehen hat, geht es dann aber zügig in die Fußgängerzone. Im kühlen Schatten einer Brauerei finden wir Platz. Den geben wir für diesen Abend nicht mehr preis! Montag 19.Juli 1999: Wer den Weckdienst bestellt hat, ist nicht mehr zu klären. Aber er funktioniert perfekt. Ein einziger Mann, der mit einem Pressluftwerkzeug Rost vom Portalkran des Edelstahlwerkes hämmert, beendet im gesamten Hafen die Nachtruhe! So können wir uns rechtzeitig und ausgiebig der Regatta widmen. Ein Blick auf die Förde stadteinwärts zeigt, daß Reffen nicht zu den Vorbereitungen gehören wird. Fast windstill liegt das Wasser da. Nach Karte wird ein Kurs bestimmt, für ein olympisches Dreieck ist in der engen Förde kein Platz. So geht es hinaus zu einer Fahrwassertonne und zurück zum alten Hafen in Flensburg. Während das Regattafeld zwischen den Werftgebäuden gelegentlich in Flautenlöchern steckenbleibt, muß an der Fahrwassertonne ordentlich ausgeritten werden. Der kräftige Nordost wird hier draußen nicht abgedeckt. Als erste runden Horns die Tonne, dicht gefolgt von Jo, der Bernhard im Team hat. Die SAMOA 2 ist auch nicht weit weg, nur GOLIATH und FILINE lassen sich Zeit. Nach der Tonne geht es zurück auf einem nicht endenden Vorwindkurs nach Flensburg. Unser neues Segel steht steif wie ein Brett quer aus dem Schiff. Nur so ist es zu erklären, daß wir drei Boote einholen und mit einer Länge Vorsprung durch´s Ziel gehen. Mit Segelkunst hat das jedenfalls herzlich wenig zu tun. Einmal in Flensburg, nutzen wir die Gelegenheit, für den Grillabend einzukaufen. Sogar die Anschaffung eines Bierfasses wird erwogen. Doch es bleibt bei Büchsenbier. Völlig unerwartet in die Vorbereitungen der Abendveranstaltung platzt ein Regenschauer von tropischer Güte. Regenmassen stürzen herab, einige erwischt es sogar noch draußen auf dem Wasser. Aber der Schauer ist bald vorbei, und es ist wieder schwül wie vorher. Nur unbeständig sollte es für den Rest der Woche bleiben. Schade, denn nicht jeder Hafen hat so eine hübsche Grillecke wie derjenige von Galwick! Gert Stallmann
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